März 2021

Ansteckung

In der Zeitschrift a tempo, die seit Kurzem nicht mehr in der dm Zeitschrift alverde eingelegt ist, las ich in der Nummer 1/21 einen Mut machenden Artikel von Wolfgang Held.

Zu Beginn berichtet er von zwei Erlebnissen, bei denen Menschen an anderen Menschen „gut“ gehandelt haben. Anstatt die Regeln einzuhalten (es handelte sich um einen Zugbegleiter und um die Servicedame einer Fluggesellschaft) schoben sie sie kurzentschlossen zur Seite und folgten ihrer Eingebung. Er schreibt weiter:

„Wo wir menschlich sind, weil es das Gegenüber, die Welt und auch uns glücklicher macht, beginnt Gemeinschaft zu gedeihen. Dann geht es nicht um Freundlichkeit aus Berechnung, sondern um den Entschluss seinem Herzen zu folgen.“

In der jetzigen Zeit wird viel von Ansteckung gesprochen und wie man sich davor schützen soll. Aber auch eine freundliche Geste, ein Lachen oder eine großzügige Handlung sind ansteckend, aber im lebensbejahenden Sinn! Die empfangene Freundlichkeit trägt einen durch den Tag und sogar darüber hinaus. Manchmal dauert es etwas, aber dann kann es sein, dass man selbst in die Lage kommt, jemand anderem gegenüber freundlich und großzügig zu sein.

Diese Art von Freundlichkeit wirkt nachhaltig in die Zukunft hinein. Man kann sie nicht vorher planen oder berechnen. Sie entsteht im Augenblick aus der konkreten Situation heraus. Deshalb ist sie immer neu und einmalig.

Gut beobachten kann man das alles, sieht man Kindern beim Spielen zu.  Auch hier gelten strenge Regeln, z. B. darf das gelbe Kissen nicht berührt werden, weil es jetzt ein schlafender Löwe ist. Will ein Kind ihn dennoch berühren, dann wird es eben schnell ein Tierarzt, und der muss den Löwen berühren, weil der nämlich krank ist.

 

„Die Regeln kennen und beachten ist wie das Standbein, sie den Umständen entsprechend anzupassen das Spielbein. Wie beim Gehen kommen wir nur durch die Anwendung beider voran. Wo wir so die Routine um der Mitmenschen Willen durch spontane Freundlichkeit beiseiteschieben, da steigert sich das Spiel, da kommt Neues in die Welt und sie wird reicher – für den konkreten Moment und fürs Später.“

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       Bärbel Kahn

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